das Versprechen der Hersteller- muß nun ein neues Betätigungsfeld her: das Schmackhaft machen von Fertigfutter für den Hund ( und den Halter) auch im Bereich von Verhaltensauffälligkeiten und nicht körperlich bedingten Wesensveränderungen.

Statt zu raten, die eigenen Lebensumstände dem Tier anzupassen, bietet die Industrie nun über das entsprechende Futter dem Halter den Umkehrweg an:

die Anpassung des Tieres an die Lebensumstände

Nochmal zurück zu den"Indikationen", die Royal Canin für sein „Calm"- Futter angibt. Da heißt es: „ Präventive (also vorbeugende) Anwendung bei planbaren Stresssituationen ( z.B. Urlaub, Silvester, neues Familienmitglied)".

Diese als Beispiel angeführten Situationen halte ich allesamt für solche, die mit entsprechendem Einfühlungsvermögen für die Ängste und das Befinden des Tieres und im Falle des Falles mit professioneller Hilfe ( Verhaltenstraining, unterstützende Komplementärmedizin etc.) zu bewältigen sind.

Wird ein Tier verhaltensauffällig , hat das eine Ursache. Statt die Lösung darin zu sehen, dieser Ursache auf den Grund zu gehen und von dort ausgehend entsprechend zu agieren, wird die vermeintlich leichteste Lösung angeboten: Sedierung und Ruhigstellung über den Napf.

Es mag Fälle geben, in denen die Sedierung eines Tieres mittels Medikamente indiziert sein kann, zum Beispiel wenn ein panisch und höchst aggressiv reagierendes Tier nicht anders zu einem dringend notwendigen Tierarztbesuch gebracht werden kann. Bei Zootieren ist das ja oft der Fall, dass ohne vorherige Sedierung eine tierärztliche Untersuchung/ Behandlung oder ein Transport gar nicht möglich wäre.

Aber das sind Einzelfälle und sollten es auch bleiben.

Es kann nicht angehen, dass ein Pharmazeutika enthaltendes Futter in die Haushalte einzieht und auch noch täglich verabreicht wird, als sei das das normalste von der Welt.

Royal Canin schreibt weiter zu „Behandlungsdauer": „Calm sollte über 2-3 Monate gefüttert werden, eine lebenslange Fütterung ist möglich......".

Ein Futter soll nicht medikamentös behandeln, sondern ernähren, gesund erhalten oder im Krankheitsfalle Immunabwehr und körpereigene Regulationsmechanismen stärken.

Eine Empfehlung „lebenslang" ist einfach nur haarsträubend. Man stelle sich vor: tägliche Sedierung und Ruhigstellung und das ein Leben lang. Zumal Tierhalter berichten, dass nach Absetzen dieses Futters nach längerer Verabreichung sich vorherige Symptome verschlimmerten, so dass einem die Wahrscheinlichkeit von körperlicher und psychischer Abhängigkeit , bzw. Entzugssymptomatik hier in den Sinn kommt.

Kein Mensch würde,sofern er vernünftig ist, Stresssituationen langfristig medikamentös zu „lösen" versuchen, sondern Stress abbauen wollen durch produktives, gegensteuerndes Handeln, z.B. durch Sport, Entspannung, Spaziergänge usw. Oder über kurz oder lang stressige Situationen zu vermeiden versuchen. Weiterhin auch, wenn möglich, Lebensumstände, die zu permanetem Stress führen, ändern.

Unser eigenes Bestreben geht immer in die Richtung, dass wir versuchen, unsere Lebensumstände UNS anzupassen. Passend zu machen für unsere Wünsche, Vorstellungen und Bedürfnisse. Auch wenn viele glauben, es sei anders herum: nämlich dass wir uns immer und überall den gegebenen Lebensumständen anpassen müßten. Dies ist manchmal der Fall. Oder auch oft der Fall. Dennoch geht das Bemühen immer dahin, Situationen, in denen diese Un-Freiheit empfunden wird, zu ändern.

Wenn wir in einer ungemütlichen, lauten und viel zu kleinen Wohnung leben ( müssen), werden wir versuchen, das zu ändern und die Umstände ( größere, schönere Wohnung) an uns anzupassen. Die

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