„Stressmanagement“ für Hunde und Katzen“- Psychopharmaka im Futter

   Seit geraumer Zeit, schätzungsweise seit 2009, gibt es auf dem gigantischen Markt der Tierfutterhersteller ein neues Produkt, das per se als „Schliessung einer großen Marktlücke" beschrieben werden kann. Innovation nennt man das in entsprechenden Fachkreisen .

Nahezu für jedes gesundheitliche Problem bei Hund und Katze gibt es heutzutage schon ein Fertigfutter, das gezielt und möglichst alleine eingesetzt, Abhilfe schaffen soll oder zumindest eine Verbesserung des Krankheitszustandes in Aussicht stellt. Weiterhin gibt es dann noch Futter für die jeweiligen verschiedenen Rassen, Futter für Welpen, Jungtiere, Adulte, Senioren, dann für nieren,- herz,- leber,- bauschspeicheldrüsenkranke usw.

Wer sich mit der Ernährung seiner Tiere etwas näher beschäftigt und hierzu bereits Bücher gelesen hat wie „Hunde würden länger leben, wenn...." von Dr. med.vet. Ziegler oder „Katzen würden Mäuse kaufen" von Hans Ulrich Grimm, der mag zu der Erkenntnis gelangen, dass es eben diese industriell hergestellten Fertigfutter sind, die erst unsere Tiere über die Jahre hinweg krank machen ( können) und dann im Falle von Krankheit selbige kurieren sollen. Ein Kreislauf, fatal für das Tier, gewinnbringend für die Branche.

Nun, nachdem also nahezu sämtliche denkbaren Krankheitsgeschehen von der Industrie mit dem jeweiligen Futterangebot abgedeckt sind, ist noch ein großes Ressort offen, die besagte Marktlücke, in die ein Futter hineingeworfen wurde, das nun auf die (vermeintlich gestörte) Psyche des Tieres abzielt.

Es handelt sich um „Royal Canin Calm " und wird mit dem modern klingenden Wort

„Stressmanagement"

beworben.

Nach diesem Begriff baut man Stress also nicht ab, versucht nicht , ihn zu verhindern, zu reduzieren, zu vermeiden oder kompensativ in gesunde Bahnen zu lenken, in denen er in positive Energie umgewandelt werden könnte- heutzutage managed man Stress. Beim Menschen zumindest , warum also nicht auch beim Tier?

Manager- Stress, ein Manager managed seinen Stress oder auch umgekehrt.

Aber: wie „managed" man Stress bei seinem Hund, seiner Katze? Indem man der Futtermittelindustrie mitsamt ihren Werbestrategien Glauben schenkt und vertrauend auf die vermeintlich wohlmeinende Absicht ( „ Ihr Tier liegt uns am Herzen") immer neue „Innovationen" füttert?

Was ist überhaupt Stress für ein Tier, wann gerät ein Tier unter Stress, wann und wie reagiert ein Tier auf Stress mit körperlichen Symptomen? Stress kann zum Beispiel ein Hund empfinden, der aufgrund Vollzeitberufstätigkeit seiner Halter den ganzen Tag und auch noch ohne Artgenossen alleine in der Wohnung sitzt, nur kurz morgens, mittags und abends um den Block geführt wird und zwecks Stressabbau anfängt, die Einrichtung zu zerlegen. Stress empfinden kann die Katze, die sich mit dem Neuzugang nicht arrangieren mag , den Umzug nicht verkraftet , auf auch geringfügige Veränderungen innerhalb der Familie sensibel reagiert , als Einzelkatze gehalten wird und das Alleinsein nicht verkraftet und nun beginnt, die Wohnung einzupinkeln . Der in einer Stadtwohnung gehaltene , nicht geforderte und unausgelastete Hütehund, der bei geringster Aussicht auf eine

(Seite1/8) 

Weiter