verstehen, vor allem in einer Kleintierpraxis . Den Tierhalter möchte ich sehen, der es zulässt, dass man seinem Hund oder seiner Katze in der Praxis einen Bolzenschußapparat an die Stirn hält oder elektrische Stromzangen an die Extremitäten klemmt.

Unter „brutale Tötungsmethoden" fällt T 61 ® hier offensichtlich nicht. Eher wird es abgesegnet von höchsten veterinärmedizinischen Instanzen.

Während T 61 ® also gut wegkommt, ist der „Nierenstich",also die intrarenale Injektion Bestandteil der „strikt abzulehnenden Tötungsmethoden". Als „Nierenstich" bezeichnet Prof. Dr. med.vet. Ernst Schimke die intrarenale Injektion in seinem Artikel.

Während sich bei den Methoden „Bolzenschuss etc." weitere Erklärungen hinsichtlich Notwendigkeit und Rechtfertigung in Gegenüberstellung zu tierschutzrechtlichen Aspekten erübrigt, wäre eine Begründung oder Erklärung der Ablehnung der intrarenalen Injektion hier durchaus angebracht gewesen.

Denn diese Methode kann gerade bei Katzen Anwendung zur schnellen und schmerzlosen Euthanasie sein. Immer vorausgesetzt auch hier die fachgerechte Anwendung. Auch hier wird ein Pentobarbital verwendet, zum Beispiel Narcoren.

Viele Katzenbesitzer kennen das Drama, wenn sie mit ihrer Katze zum Tierarzt müssen, weil zum Beispiel eine Blutabnahme ansteht oder wegen einer OP ein Venenzugang gelegt werden muss. Für viele Katzen der Horror schlechthin. Für den Halter nicht minder. Die wenigsten Katzen halten hier brav still und lassen das über sich ergehen. Mittels Assistenz muss man sie hier leider mehr oder weniger nötigen und alleine diese Prozedur bedeutet für das Tier massivster Stress, von dem sich zu erholen manche danach Stunden brauchen.

Wenn man dann im Falle einer unausweichlichen Euthanasie die Katze auch noch dem Procedere des Venenzugangslegens aussetzen muss, kann von einem stress- und angstfreien Vorgang keine Rede mehr sein. Zumal eben auch dieser Stress negative Auswirkungen haben kann auf Wirksamkeit der Mittel .

Als bei meiner eigenen todkranken Katze die Einschläferung unumgänglich war, folgte ich dem Rat eines meiner früherer Dozenten ( praktizierender Fachtierarzt für Physiologie), meinen Tierarzt auf die Möglichkeit und den genauen Ablauf der intrarenalen Injektion anzusprechen.

Von früheren Tierarztbesuchen mit ihr , bei denen eine Blutabnahme oder einen Venenzugang, zum Beispiel zur Einleitung der Narkose bei einer Zahnsanierung , notwendig war, wusste ich von diesem massiven Stress. Es war jedes mal ein mittelprächtiges Drama . So zogen sich manche Behandlungen, die eigentlich zügig hätten erfolgen können, oft in die Länge, weil sie sich sowohl körperlich, als auch innerlich stark gegen diese Injektionen wehrte. Selbst als sie noch gesund war, war es bei ihr oft schwierig, die Vene zu finden und zu punktieren. Im Verlauf ihrer schweren Krankheit dehydrierte sie trotz Infusionen immer mehr und wurde zunehmend kachektisch, so dass zu befürchten war, die Vene nun gar nicht mehr auffinden zu können. Die Vorstellung, meiner Katze auf ihrem letzten Gang und in ihrer letzten Stunde diesen Stress, diese Aufregung, diesen Kraftaufwand für ihre Abwehrhaltung zumuten zu müssen oder zu sollen, ließ mir keine Ruhe. Das wollte ich unter gar keinen Umständen. Für sie nicht, für mich nicht, für uns beide nicht. Nach einem ausführlichen Gespräch mit meinem Tierarzt entschied mich für die intrarenale Injektion mit Narcoren .

In meine übergroße Trauer und auch Angst im Moment des Geschehens mischte sich trotzdem Erstaunen, wie schnell, ruhig, stress- und schmerzfrei alles ablief. Er injizierte sofort die erforderliche Dosis und eine Nachdosierung war nicht nötig. Kaum war die Spritze gesetzt, sank schon ihr Köpfchen zur Seite und wenige Minuten später war es vorbei. Kein Kampf, keine Krämpfe, kein Schreien, kein Erbrechen, keine Fluchtversuche oder Abwehrbewegungen, auch keine Muskelzuckungen post mortem. Nichts. Es lief genauso , wie ich es mir für sie gewünscht hatte. Das Wissen, dass ihrem unheilbaren Leiden und körperlichem Siechtum auf sanfte und schmerzlose Weise ein Ende gesetzt wurde, statt ihr noch weiteres Leid zuzufügen, hat mir bei der anschließenden Trauerarbeit unendlich viel geholfen. Der Schmerz um ihren Verlust bekam seinen gebührenden Raum und wurde nicht verdrängt von anschließenden quälenden Fragen: habe ich alles richtig gemacht? Habe ich ihr doch Unnötiges zugemutet?

Dieses persönliche Erlebnis lässt mich diese Methode befürworten und vor allem Katzenhaltern raten, sie in Erwägung zu ziehen und mit ihrem Tierarzt darüber zu sprechen. Und das rechtzeitig. Nicht erst im Notfall, wenn schneller Handlungsbedarf besteht und man selbst nicht mehr klar denken kann.

Zum Thema „Notfall" hier eine Schilderung einer Erfahrung mit der in sehr vielen Großstädten inzwischen angesiedelten „Tierrettung", die ja oft oder meist in Notfällen vor Ort gerufen wird. In diesem Fall möchte ich von der „Tierrettung München" berichten.

Als der Hund eines mir sehr nahe stehenden Menschen unheilbar an Krebs erkrankte, mit bereits Lungenmetastasierung, so dass die Möglichkeit einer rapiden Verschlechterung des Zustandes mit eventuellem Erstickungstod in Betracht gezogen werden musste, kontaktierten wir die Tierrettung München, um zu eruieren, ob in besagtem Notfall selbige vor Ort käme und wenn ja, wie schnell.

Weil die Halterin des kranken Hundes über T 61 ® informiert war und diese Anwendung unter gar keinen Umständen gewünscht hätte, fragten wir entsprechend vorher nach, welches Mittel denn zum Einsatz käme. Wir bekamen die telefonische und eindeutige Auskunft, dass mit T 61 ® euthanasiert würde.

Damit hatte sich zumindest für uns das Thema erledigt und wir bemühten uns um andere Hilfe für den eventuellen Notfall. Als dann der Tag der Entscheidung da war, kam kein Tropfen T 61 ® in diesen Hund . Er wurde ausschließlich mit einem Pentobarbital euthanasiert und er durfte friedlich und ruhig gehen.

Die Tierrettung München ist oft in der Sendung „Menschen, Tiere und Doktoren" im ARD zu sehen. Nahezu keine Sendung, in der nicht ein Tier euthanasiert werden muss und dies sehr emotional inszeniert wird.

Auffällig fand ich und hat mich wegen wiederholtem Vorkommen stutzig gemacht, dass bei jeder anstehenden Euthanasie die Tierhalter nur solange bei ihrem Tier bleiben durften, bis die Narkose injiziert und das Tier ruhig gestellt war. Danach wurden und werden die Halter immer gebeten, den Raum nun zu verlassen und erst wieder zu kommen, wenn alles „vorbei" ist. Abgesehen davon, dass man dieses Hinausschicken als unmenschlich bezeichnen kann, weil es vielen Tierhaltern einfach ein Bedürfniss wäre, bis zum letzten Atemzug bei ihrem Tier bleiben und es in den Armen halten zu können, keimt hier unweigerlich der Verdacht auf, dass man dem Halter den Anblick eben dieser möglichen „unerwünschten Nebenwirkungen" von T 61 ® ersparen möchte und auch das Eingreifen in solch einem Fall.

Der sicher lobenswerte Einsatz der Tierrettung im allgemeinen soll hierdurch nicht geschmälert werden, aber Kritik an der Verwendung dieses Mittels scheint berechtigt. Zumal die Tierbesitzer offensichtlich in keinster Weise hier vorher aufgeklärt werden. Und damit eben nicht die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob sie diesen Tod , dieses Mittel für ihr Tier wollen oder eben nicht.

Der Einsatz von T 61 ® ist ja (leider) nicht verboten, daher rechtlich nicht zu beanstanden. Aber diese ausbleibende oder mangelnde Information im Vorfeld macht den Tierbesitzer zum Unmündigen und liefert ihn tierärztlicher Willkür gnadenlos aus.

Hier besteht meiner Ansicht nach unbedingtes Aufklärungsgebot.

Ich habe die Tierrettung München schriftlich um eine Stellungnahme hierzu gebeten.

Noch warte ich auf Antwort.

Wenn Sie sich nach einem hoffentlich langen und glücklichen Leben mit Ihrem Vierbeiner von ihm verabschieden und Sie den Weg der Euthanasie gehen müssen- begleiten Sie ihn bis zum Schluss.

Für uns selbst ist die Wahl des richtigen Zeitpunktes mitunter eine der schwersten Entscheidungen, die wir je zu treffen haben und wenn die Entscheidung dann unumgänglich feststeht, die Begleitung auf der letzten Etappe des Lebens unseres Tieres verbunden mit einem immensen psychischen Kraftaufwand.

In der Stunde des Todes bei seinem Tier zu bleiben, diese Kraft auf- zuwenden, sich nicht ab-zuwenden, weil man es selbst nicht erträgt nenne ich gerne den „letzten Liebesdienst", den man ihm erweisen kann. Und dazu gehört auch, ihm T 61 ® zu ersparen.

© Julia Holzmann