Tierheilpraktiker- rechtliche Bestimmungen

Der Beruf des Tierheilpraktikers (THP) ist leider nicht staatlich anerkannt und nicht staatlich geregelt. Das bedeutet, es darf sich so gesehen jeder THP nennen und als solcher tätig sein, unabhängig davon ob er/sie eine Ausbildung absolviert hat oder nicht.

Es stehen also diejenigen, die viel Zeit, Arbeit und auch Geld in langjährige Aus - und Fortbildungen investiert haben, denjenigen gegenüber, die ihr Halbwissen aus ein paar Büchern bezogen haben oder glauben, durch ihre bereits im Kindesalter entdeckte Liebe zu Meerschweinchen, Kaninchen, Hund und Co. zur/zum THP berufen zu sein.

 

Im nachfolgenden möchte ich Tierbesitzer auf die Kriterien hinweisen, die es bei einer Therapeutenwahl zu beachten gilt.

 

Die Homepage einer Tierheilpraxis vermittelt einen ersten Eindruck, ist wie eine Visitenkarte und anhand einiger Details lässt sich Seriosität bereits im Vorfeld feststellen oder ausschließen.

Denn Seriosität bedeutet auch Kenntnis der Rechtslage und dessen, was auf einer Homepage veröffentlicht werden muss, darf, soll oder eben nicht erlaubt ist.

 

Um eine Verwechslung mit einer Tierarztpraxis auszuschließen, ist der THP verpflichtet, nebst Begriffen wie „Tierheilpraxis“, „Tiernaturheilkundepraxis“, „Naturheilpraxis für Tiere“ immer und überall, also auch auf Visitenkarten, Flyern, Homepage, Praxisschild usw. den Zusatz „Tierheilpraktiker/in“ zu führen.

 

Formulierungen wie „ habe mein Studium zur THP absolviert“ und Begriffe wie „Diplom -THP“ sind verboten. Wir haben eine Ausbildung, kein Studium absolviert und sie endet auch nicht mit einem Diplom, sondern mit einem Zertifikat. Solche Zusätze sind irreführend und vermitteln den Eindruck eines akademischen Grades, der nicht vorliegt.

 

Es ist nicht erlaubt, Zertifikate oder „Diplome“ auf einer Homepage online zu stellen. Diese müssen dem Tierbesitzer immer auf Wunsch in der Praxis zur Einsicht vorgelegt werden können.

 

Alleine die Aussage, dass man eine Ausbildung absolviert hat, ist unbefriedigend. Auf der Homepage sollte detailliert der berufliche Werdegang vorgestellt werden. Das beinhaltet Name und Standort der Ausbildungseinrichtung, Dauer der Ausbildung und die Information, ob die Ausbildung mit einer Prüfung abgeschlossen wurde. Ferner sollten auch Fort - und Weiterbildungsmaßnahmen, die für einen gewissenhaften THP unerlässlich sind, angeführt werden.

 

Heilversprechen sind nicht erlaubt und wer solche in Aussicht stellt, ist kritisch zu betrachten.

 

Nicht erlaubt sind unlautere Werbemethoden wie Gutscheine. Beispiel: „wenn Sie Ihr Tier 10 mal von mir behandeln lassen, bekommen Sie eine Behandlung gratis“.

 

THP`s sind Eingriffe am Tier, die im Regelfall eine Narkose erfordern, untersagt. Leider gibt es THP`s, die zum Beispiel eine Zahnsteinentfernung ohne Narkose mit diversen Ultraschallgeräten anbieten. Davon ist dringend abzuraten. Zahnbehandlungen am Tier gehören in die Hände eines Tierarztes, der diese immer unter Narkose ausführen wird.

Eine ausführliche Stellungnahme der „ Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.“ zu diesem Thema und Aufklärung über Folgeschäden durch unsachgemäße Zahnbehandlungen finden Sie hier:

http://www.tierschutz-tvt.de/fileadmin/tvtdownloads/merkblatt119.pdf

 

 

Eine Mitgliedschaft in einem Berufsverband garantiert dem Tierbesitzer, dass der/die THP eine vom Verband anerkannte Prüfung absolviert hat. Eine Verbandszugehörigkeit ist jedoch keine Verpflichtung und sagt letztendlich nichts über die Qualifikation aus.

 

Auch wenn der Beruf des THP nicht staatlich anerkannt ist, ist er doch an Gesetze gebunden, als da wären das Tierschutzgesetz, das Arzneimittelgesetz und das Heilmittelwerbegesetz.

 

Ein Sachkundenachweis über „Frei verkäufliche Arzneimittel“,ausgestellt von der zuständigen IHK, sollte vorliegen.

 

 

Bei Beachtung solcher Kriterien lässt sich oftmals schon die Spreu vom Weizen trennen und die Gefahr minimieren, an verantwortungslose und inkompetente Autodidakten zu geraten.

Über letztendlich gute Kooperation zwischen Tierbesitzer und THP entscheidet dann aber die Sympathie.

 

Julia Holzmann, September 2016